Epilog 2 - Briefe Anton (Tony) Binders aus seiner Britischen Gefangenschaft an seine Frau Marie
NICHT ZWISCHEN DEN ZEILEN SCHREIBEN! (das stand auf vielen Briefpapieren!)
Hier wohnte Marie mit ihren Kindern, bevor sie umgezogen sind in die Goethestrasse 8 (dort ist jetzt jedoch ein Neubau)....
Hintergrund:
Aber tausende Männer wurden während dem 1. Weltkrieg in Britannien interniert. Die meisten
davon Zivilisten, die bereits vor August 1914 im Lande waren, auch Zivilisten
die von überall auf der Welt hergebracht wurden, auch Kämpfende, vor allem
Soldaten von der Westfront, auch Marine Personal und einige Mitglieder der
Zeppelin Crews, deren Vessel auf die Erde fiel. Die Gefangenen wurden in einer
grossen Anzahl von Orten untergebracht, und verbrachten dort Jahre von Ihren
Familien getrennt.
Alexander
Palace: Im Ersten Weltkrieg diente es als Internierungslager
für Zivilisten. Im Frühjahr 1915 wurden über 2000 deutsche und österreichische
Zivilisten dorthin gebracht. Hauptsächlich waren es deutsche Zivilisten aus der
ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika aber auch aus anderen Ländern. https://www.bbc.co.uk/sounds/play/p030zwb4
Douglas
Privilege Camp, Isle of Man (I.o.M):
von
1914-19 wurden hier 2500 Männer untergebracht. Es gab in Douglas ein sogenanntes
“the artists’ camp” (Künstlercamp)
das aus meist Deutschen und Österreichischen Künstlern bestand, die ihrer Kunst
auch weiterhin nachgehen konnten. Andere Camps auf Isle of Man waren
nicht so privilegiert und mussten zu zehntausenden zum Teil in Zelten
übernachten.
Abschrift von Karin Winkler (Urenkelin T. Binders)
Anmerkung: Was schräg geschrieben ist konnte ich nicht letztendlich entziffern. Ich habe alles so wiedergegeben, wie Tony es geschrieben hat – ja auch «gieb», ein Fehler, den auch ich immer machte. Interessant ist auch das er seinen Sohn Karl/Carl einmal mit C und einmal mit K schreibt – überhaupt kommt diese Verwechslung auch in anderen Wörtern mit C/K vor.
Viel Spass beim Lesen! Karin Winkler
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Anton Binder 5468. C. 6./3 Alexandra Palace
Prisoner of War. / London N. – 28 / 8 1915
Liebes Mamachen!
Endlich nach so langer Zeit habe ich Dein liebes Briefchen erhalten. Es hat
mich kolossal gefreut, dass Du so resolut bist & die Wohnung gemietet hast
noch dazu in der hübschen Gegend, die Göthestrasse 8, wo Schulein’s Eltern
wohnen ist ja gleich daneben. Du bist ein Prachtsweibchen. Ich bin in der
Beziehung nun ganz befriedigt & hoffe nur noch, dass Ihr den Winter gut
übersteht. (Viel Grüsse an Marie!-)
Mir geht es gut, dieses Leben wird auf mich
einen ganz guten Einfluss haben, die 4 Kinder werden mich nicht mehr so leicht
stören, denn nun bin ich mit 530 Leuten in einem grossen Saal untergebracht.
Ich schlafe sehr gut & habe viel Appetit. Mache Dir ja keine Sorgen um
mich, ich fühle kaum dass ich nicht in Freiheit bin, arbeite den ganzen Tag
& habe schon eine Menge bestellte Portraitskizzen gemacht. Es gibt eine
Menge Künstler hier, Musiker, darunter Virtuosen & wir haben feine Concerte
& Theater. Nun viele viele Bussi den Kindern & Dir von Eurem Papa.
Anton Binder 5468. C.6.3. Prisoner of War
Alexandra Palace London N. 4.9.1915
Liebes Mamachen.
Das Paket wofür ich vielmals danke ist gestern gekommen, ein Brief noch nicht.
Schicke bitte keinen Likör, die werden zurückbehalten. Chocolade & Biscuits
bekommen wir hier in der Cantine, aber Wurst & solche Conserven sind famos,
ebenso würde es mich freuen irgendwelche Gemüse wie Bohnen, grün zu erhalten.
Den Kindern danke ich für die Bonbons. Ich bin colossal beschäftigt, habe den
ganzen Tag zu tun. Jetzt wollen die Leute schon mit Photos & bestellen
Aquarelle.
Tullo? Ist seit 2 Wochen hier
in demselben Camp, er sieht sehr heruntergekommen aus. Neues gibt es nichts, ich brenne schon vor Neugierde auf einen Brief.
Gesundheitlich geht es mir sehr gut, wie es später im Winter wird, weiss ich
nicht. Besuche habe ich keine, ist mir auch lieber, weil man bloss 15. Min.
sprechen kann, bin froh dass Du nicht auf diese Weise kommen musst. Hoffen
wir, dass alles bald vorüber. Nächstens mehr, viele Busserl.
Anton Binder P.o.W 5468 C Bath 3 Comp. Alexandra Palace, London N. 3/10 1915
Liebes Mamachen!
Heute
früh bekam ich Deinen Brief vom 16. Sept, nur bin erstaunt, dass Du ohne
Nachricht von mir bist, ich habe doch jede Woche geschrieben bis jetzt, es wird
vielleicht jetzt etwas länger dauern, so dass Du mittlerweile die Briefe hast.
Es freu mich riesig, dass Du so tüchtig bist & alles bereits in Ordnung
hast, wie gerne möchte ich die hübsche Wohnung sehen. Dass Emmy Weismann bei Dir
ist freut mich ebenfalls sehr, das ist eine sehr gute Gesellschaft für Dich.
Willst Du mir bitte einen Schawl für den Hals schicken, es fängt an kalt zu
werden. Auch möchte ich von den Kindern eine hübsche Photo Graphie. Seit
gestern ist der Schellenberg & Gernhuber
hier im Camp, sie lassen Dich grüssen. Es wird dich vielleicht eine Frau Langlotz besuchen, sie ist die Mutter
eines Herrn Truckenbrod hier, einer
meiner Kameraden im Camp. Nun 1000 Küsse von Eurem Papa
Anton Binder P/W. 5468
A. Tower Alexandra Palace London 16/12 15.
Liebes Mamachen!
Habe das Weihnachtspaket am 21. 12 erhalten und danke vielmals dafür. Das Bild
der Kinder hat mich sehr gefreut sie sehen alle stramm u. gesund aus, das ist
die Hauptsache. Steffi macht ein etwas trotziges Gesicht, zum Glück weiss ich,
dass dies nicht ihr Character ist. Die Lilly gefällt mir sehr gut, René ist
fast nicht gewachsen, Carl dagegen sehr. Die Buben sehen besser aus, als wie
sie waren. Wirklich hübsch sind die Sachen, das Lineal, der Bucheinband u. die
Cravatte. Es ist sehr nett dass die Buben so etwas lernen. Einen Brief habe ich
bis jetzt noch nicht erhalten sobald er da ist, schreibe ich über das Paket
mehr, dann wiess ich wer die Sachen gemacht hat, ich vermute es schon. Auch
über unsere Weihnachten berichte ich dann. Nun viele süsse Busserl von Eurem
Papa.
Anton Binder P7W.
5468 A. Tower, Alexandra Palace London N. 12/1 16
Liebes Mamaderl.
Seit
den 3 Briefen habe ich nichts mehr erhalten. Ich arbeite von 9-1 und von 2-4
jeden Tag. Der Comandant hat mir einen hübschen Raum mit grossem Licht von oben
zur Verfügung gestellt zum Malen, es geht auch ein Heitzungsrohr durch. Ein
junger Wiener arbeitet mit mir. Es sind noch 5 oder 6 Maler und ein Bildhauer
hier die haben alle zusammen ein altes photographisches Atelier, ich bin froh,
dass ich da nicht dabei sein braue. Wir sind im Turm 30 Herren, alles nette
bessere Leute. Wir stehen um ½ 8 auf, frühstücken um 8 ¼, um ¾ 9 werden wir
gezählt, dann ist jeder frei zu arbeiten bis zum Mittagessen, wir um 1 Uhr. Um
4 wird wieder gezählt, dann giebt es Thee, bis 5. Um 7 Uhr ist das Abendessen,
dann lesen wir oder ich spiele Schach, oder Pianola, jeden 2ten Tag nehme ich
ein heisses Bad. Nun viele tausend Bussi von Eurem Papa.
Anton Binder P/W. 5468
A. Tower Alexandra Palace London N. 19/1 16
Liebes Mamachen. –
Schon lange habe ich nichts von Euch erfahren. Von den Sachen in dem Paket habe
ich ausser den Würsten noch nichts gegessen, will mir’s aufheben bis wir einmal
brauchen, die Büchsen halten sich ja lange Zeit. Mein Husten hat ganz
aufgehört, ich rauche jetzt fast nichts, habe daher guten Apetit. Sonst geht es
mir auch gut. Wir sitzen hier im Turm an 3 Tischen, an jedem 10. An unserem
Tisch sitzt: ein Pianola Fabrikant, ein Musik-Verleger, ein Gramophon
Fabrikant, ein Automobil Fabrikant, der junge Schönlein, alles Deutsche. Dann
ein öst. Componist, ein Sänger, ein Schauspieler, ein Neffe des Bankdirektors
Singer der beim Kegeln war bei Hers,
und (Öst.) ich. Alles lustige Leute. Mehrere davon habe ich in Öl gemalt. Jetzt
habe ich mehrere grosse Portraits in Arbeit. Ausserdem mache ich vieles für
mich. Nun viele Tausend Bussi Euch allen Euer Papa.
Anton Binder P/W. 5468
A. Tower Alexandra Palace London N. 26/1.16
Liebes Mamachen!
Ich sass heute früh gerade in meinem Studio und malte ein Öl
Portrait, als mir der Postbeamte Deinen Brief vom Sylvester Abend brachte. Wie
immer hatte ich grosse Freude, besonders dass Du dich ohne mich zurechtfindest,
ja sogar den Cinema functionieren lassen kannst. Ich würde zu gerne eine
Photographie von der arabischen Salon Ecke sehen. Die Eltern Schülein’s haben ihrem Sohn geschrieben,
dass sie bei Dir waren und Dir mit Rat & Tat beistehen wollen, sei so gut
und gehe hin und sage Dank von mir. Was Wäsche betrifft, so habe ich eine Menge
u. wird mir sehr sauber gewaschen & repariert, wir haben auch je 10 Herren
einen Diener, der unsere Sachen aufräumt, Stiefel putzt etc. Ich habe mir ein
Feldbett gekauft vor 4 Monaten, auf dem ich sehr gut liege. Die Postkarten
würden nach einer Zeichnung von mir für den Weinachtsfond hergestellt und 20'000 verkauft. Nun viele Bussi Euch allen
Euer Papa.
Anton Binder P/W 5468
Alendandra Palace London 6/9 16
Mein einzigstes
Mamaderl.
Ganz ohne Brief bin ich seit 8 tagen und sehne mich so sehr nach ein paar
lieben Zeilen von meinem herzigen Mamale. Ich nehme alle Tage die Photos &
schau sie mir durch die Lampe an & glaub ich sehe Dich, die lieben Augen,
die gar nicht bös schauen könne, sehen mich so nett an. Dann das Bild auf dem
Du so gefällig im Fenster lehnst mit
meiner Lieblingsbluse, da schaust DU besonders lieb drein, ich möchte wetten Du
hast an etwas gedacht, was Du gerne hast & wo ich dabei beteiligt bin. Die
2 Mädls haben sich scheints nicht verändert. Ich muss Dir sagen, dass ich seit
einiger Zeit ein pechschwarzes Herz habe, oft kommt mir sogar die Idee, dass
wir uns am Ende gar nicht mehr sehen, da fühle ich mich dann ganz unglücklich.
Ich habe also eine Art Heimweh nach Dir ganz allein, denn sonst geht es mir ja
nicht schlecht. Schreib mir bitte manchmal recht nette paar Worte, damit ich
sehe, dass Du mich noch lieb hast & mir verzeihst, wenn ich Dich oft nicht
verstanden habe, ich glaub jetzt könnte ich es besser. Nun sei unzählige Male geküsst
von ganzem Herzen von Deinem Tony
Anton Binder P/»
5468 A. Tower Alexandra Palace London N. 10/9. 16
Mein vielgeliebtes
einziges Mamachen!
Am 21.d.M. sind es 17 Jahre, dass wir Zusammengehören. Das heisst das war ja
schon früher so, aber so richtig ein Leib & eine Seele meine ich. Ich kann
gar nicht sagen wie schön es war und wie lieb Du warst, wie gern ich Dich hatte
wenn ich es auch nicht immer zeigen konnte und bis heute noch nicht eine
Sekunde irgendwie bereut, was auch war & was auch kommen mag, dass wir uns
fürs ganze Leben verbunden haben. Ich gratuliere Dir im Geiste zu dem Tag, und
wünsche Dir, dass wir bald wieder vereint sein können & wir dann wieder von
vorne anfangen uns recht lieb zu haben. Ich werde am 21. Sept. der heuer wieder
an einem Donnerstag ist sehr viel an Dich denken, Du wahrscheinlich auch an
mich. Ich glaube fest, dass die Jahre, die nach unserer Wieder-Vereinigung
kommen werden, die schönsten sein werden, habe nur Vertrauen zu mir und bleib
so lieb wie Du immer warst. So jetzt viele von den allerschönsten Busserl Dein
Tony.
22.Anton Binder P/W. 5468 A. Tower Alexandra Palace London N 19/IV.
Mein allerliebstes
gutes Mamaderl
Wir bereiten grade
einen Yux für Ostern vor, Gerichte & Zeichnungen von Leuten im Turm. Wir
arbeiten zu dritt daran. Zu Weihnachten haben wir auch so was gemacht. Die
Caricaturen die René gezeichnet hat sind sehr nett. Ich lege Dir 2 Programme
bei, damit Du siehst was hier los ist. Unlängst hat mich Herr Rothschild im
Atelier besucht, ein sehr einfacher, alter Herr, der Commandant hat ihn zu mir
geführt. Ich bekomme überhaupt oft Besuch. Jetzt male ich gerade ein Ö Portrait
& 2 Aquarelle. Einen Betenden Gräber bei Abendlicht habe ich schon gemalt
den hat aber der Commandant gekauft. Merkwürdig wie Du immer dieselben Ideen
hast, auch mehr schreiben tust Du jetzt, unlängst schreib ich Dir darüber. Ich
glaub immer wir haben es auch ganz gut getroffen miteinander. Grüsse mir Marie
herzlichst & Euch allen viele Busserl. Fröhliche Ostern! Euer Papa
25. Alexandra Palace
Anton Binder P/W. 5468 A. Tower
Mein liebes Mamachen.
Dein lieber Brief vom 1. April ist heute früh hier angekommen. Ich bin schon
gespannt auf die nächsten. Du wirst mir ganz genau schreiben, was der Hofrat zu
den Bildern gesagt hat, dass Dir die Schülein ‘schen gefallen freut mich. Ich
bin ganz stolz, dass Du so unternehmend bist. Schau Dir die Glaspalast
Ausstellung & Secession an & schreibe mir darüber, Karl scheint sich
erholt zu haben. Bin schon begierig wie er in der neuen Uniform aussieht. Ich
schmachte überhaupt nach den Photos von Euch allen. Hast Du etwas gehört, dass
der Girardt tot ist? Es ist jetzt schönes Wetter hier. Ich arbeite
noch immer sehr viel & gehe wenn die Sonne scheint im Garten spazieren.
Viele Grüsse an Marie ich schreibe ihr bald. Nun viele tausend Busserl Euch
allen Euer Papa
ANTON BINDER, P/W.
5468, A. Tower, Alexandra Palace N. 18/10.16
Mein einziges, liebes,
süsses Mamaderl.
Schon wieder ist eine ganze Woche vorüber ohne Brief und ich
sehne mich so sehr nach Deinen Zeilen, es ist das einzige, wofür ich überhaupt
noch lebe. Du kannst mir gar nicht oft und lieb genug schreiben, wenn Du mir
das Warten auf unser Wiedersehen leichter machen willst. Deine Bilder sehe ich
mir oft und lange an, und finde sie jedesmal hübscher. Ich getrau mir schon gar
nicht mehr mir vorzustellen, wie schön es sein muss, wieder bei Dir zu sein.
Ich arbeite grade an dem Bilderbuch für Lindenmann es ist beinahe fertig. Das
Wetter hier ist schon recht herbstlich, es kommen wieder die langen Wintertage,
wo ich mich nach Sonne sehne. Schreibe bitte an den Rektor der Schule ich lasse
ihn bitten mit den Buben Geduld zu haben und streng auf Fleiss zu sehen, das
kann ihnen nur nützlich sein, dumm sind sie ja nicht. Ich freue mich so, dass
gerade die beiden Kinder Dir ähnlich sind die gescheitesten sind. Der René
sieht auf der Gruppe sehr aufgeweckt aus. Von was bist Du denn so schlank
geworden, Du bist doch hoffentlich gesund dabei? Du gefällst mir so sehr gut, wie gerne möchte
ich Dich sehen. Küsse die Mädls vielmals und Dir unzählige süsse Busserl von
Deinem Dich anbetenden Tony
ANTON BINDER, P.W 5468 A. Tower, Alexander
Palace n. – London 21.10.16
Mein vielgeliebtes,
süsses Mamadile. Zwei wundernette Briefe
von Dir, vom 24 & 27 Sept. kamen gestern und haben Wunder gewirkt. Su nett
& lieb hast Du bis jetzt noch nicht geschrieben, ich hatte schon daran zu
zweifeln begonnen, dass Du mich noch gern hast und mir selbst die Schuld daran
gegeben. Ich freu mich am meisten darauf zurück mit Dir recht von Herzen
aussprechen zu können, wenn wir wieder vereint sind. Mach Dir keine Sorgen, ich
werde nicht enttäuscht sein, wenn Du so bleibst wie Du immer warst, so
natürlich & lieb, bin ich wie im Himmel. Deine Bemühungen um meine Bilder
finde ich reizend, so eine Frau hab ich nötig. Ich bin so froh, dass ich hier
Gelegenheit hatte so viel zu arbeiten, dadurch in Übung geblieben bin. Am
Mittwoch den 25. d. W. wirst Du an mich denken, wünsche so sehr, Du möchtest an
dem Tag irgend etwas Schönes ansehen oder hören u. mich dazu denken. Ich habe mir selber zum
Geburtstag einen Anzug machen lassen, der Dir gefallen wird. Von den Buben habe
ich Briefe zum Geburtstag bekommen. Mit der Ortographie schaut es schlecht aus
bei ihnen, aber gefreut hat es mich sehr. Der Rene sollte in dem Pensionat zum
Zeichnen nach der Natur angehalten werden, ich glaube es steckt Talent in ihm.
Nun viele Kusserl den Mädls & Dir selbst mit Leib & Seele.
Dein Dich über alles liebender Tony
Anton Binder P.W.
5468 A. Tower Alexandra Palace N. – London
25. Oct. 16
Mein einziges, liebes,
herziges Mamaderl!
Das Paket mit den Photos kam gestern, die Freude darüber sehr gross. Eure
Gruppe ist reizend, Du bist zum Küssen lieb drauf, so resch Dein lieber Blick,
wenn Du mit mir zufrieden bist, sogar ein bissl verliebt. Ich habe dasselbe
unretouchierte Bild nicht hergezeigt gehabt, um so grösser war der Effekt
jetzt. Die Salon Bilder sind hübsch, ich sehe, dass Du ohne mich famos
verstehst die Wohnung einzurichten. And das Bild der Araberjungen habe ich vor
ein Paar Tagen gedacht, es wäre sehr hübsch gemalt. Heute Nacht um 12 Uhr kam
der ganze Turm an mein Bett um mir zu gratulieren, ein Münchner Advokat hielt
eine sehr humorvolle Rede. Man gab mir 20 Pakete mit allem möglichen Ulk. In
der Früh erhielt ich einen grossen Kuchen mit Lichtern, Mittags panierte
Schnitzel- nur am Abend giebt es mit fünf der besten Freunde ein kleines Diner
worüber ich noch berichte.
Von Schrecker erhielt ich einen schönen Rosenstrauss. Du solltest Dich um die Reisers gar nicht so kümmern, Du hast es nicht nötig. Die Sendungen darf ich nur an Dich machen weil die Erlaubnis der Regierung auf Deinen Namen ist. Geh bitte Konrad Strasse No7 zu Herrn & Frau Hoffmann und richte Grüsse von Herrn Atté, mein Nachbar aus. Es sollen reizende Leute sein. Es war eine gute Idee mir das Atelier Bild zu senden, habe es oft gewünscht. Nun Euch Allen tausende Busserl von Eurem Papa
London 11 Nov. 2016
Meine allerliebste
süsse Mamachen!
Man brachte mir Deinen Brief vom 14. 10 heute Mittag in’s Atelier, wo ich grade
ein Ölportrait in arbeit hatte. Da ich seit 18 Tagen nichts erhalten habe, so
war die Freude sehr gross, ganz besonders aber, da Du es verstehst Dich so
angenehm wie möglich durchs Leben zu bringen. Wer weiss, ob nicht, wenn ich
einmal wieder da bin die Ruhe weg sein wird, obwohl ich mir fest vornehme, Dich
auf den Händen zu tragen, nur es Dir so schön zu machen, wie nur Du es
verdienst. Wie gern möchte ich Dich in meinem Mantel & Hut nur kleines
Bisschen sehen. Vielleicht kommst Du auf die Idee mir ein Bild zu Weihnachten
zu senden, eines worauf man auch seine Augen & Mund gut sehen kann. Ich
könnte auch folgendes gut brauchen: Mussini Ölfarbe, Tuben mittelgross, wie die
halbe Breite dieses Papiers, 1 Kadmium hell, I Kadmium Orange, 1
Elfenbeinschwarz, 1 Krapplack dunkel 1
Kobaltblau 1 Ultra, marin dunkel. Die Pakete brauchen höchstens 12 Tage
bis hierher. Sonst habe ich hier alles, es ist ganz recht, das Du mir kleine
Esswaren sendest, ich brauche nichts. Sehr freue ich mich über das Klavier
& auf Dein Spiel. Wir haben hier ein grosses Wagner Konzert morgen, wo
manches gespielt wird, was Du auch bei Vikisch hörtest. Viele Grüsse an Marie,
der ich letztes mal schrieb, den Mädls süsse Bussi & Dir eine ganze Menge
von Deinem Dich sehr sehr liebenden TONY
*schicke auch 3 Kohinoor Bleistifte 3B
Anton Binder P/W. 5468
A. Tower Alexander Palace N. 6.1. 17
Mein liebes, süsses Mamachen! Vorgestern erhielt ich 2 Briefe vom 11.& 22. Nov. Klein genug sind sie, an der Leute kriegen hier 4-5 , 4 Seiten lange, grosses Format jede Woche. Die Buben werden meinen Brief erhalten haben ich werde ihnen nächstes Mal wieder schreiben. Deine Vorwürfe, dass ich kein Talent zum Vatter hätte, werde ich mir mit Vergnügen machen lassen, wenn es nur recht bald wäre. Recht hast Du auch, das kommt aber wahrscheinlich davon, dass ich als Kind niemand hatte, der mir’s lernen konnte. – Gestern kam auch das Paket mit der warmen Weste, Cravatte & Notizblock, wofür ich Dir vielmals danke. Besonders die Weste war eine sehr gute Idee., sie hält schön warm es ist mir gerade, wie wenn Du es selbst wärest. Nach & nach werden nun auch die Weihnachtsbriefe kommen. Steffis’ Geburtstag hast Du vergessen in den Calender anzumerken. Dass René sich so schlecht aufführt, tut mir leid, Ich weiss wirklich nicht was man da noch tun könnte, wenn die Buben nicht parieren, werden sie einfach zu einem Handwerker in die Lehre gesteckt, wenn etwas in ihnen steckt, so kommt das trotzdem später zum Vorschein, sonst ist schade um das Geld. Nun sende ich Dir von den allerschönsten Busserl Dein Tony
Anton Binder PW. 5468
A. Tower Alexandra Palace, London N 7. Jan. 1917
Mein liebes, herziges,
süsses Mamachen!
Dein Brief vom 31. 12
kam gestern Mittags. Wenn ich aus dem Studio komme und im Turm die Tür aufmache
sehe ich, wenn etwas da ist, das liebe grüne Couvert auf meinem Platze am
Tische liegen, gross ist die Enttäuschung, wenn nichts da ist, besonders wenn
andere an dem Tische eine Menge Briefe bekommen haben, was oft der Fall ist.
Der ganze Betrieb hier im Turm ist wie auf einem Dampfer, die Stuarts waren
auch teilweise auf Schiffen, oder in Restaurants in London. Jetzt ist gerade
zum Abendessen gedeckt, ich bin nahe am Fenster & schreibe. Schade, dass
ich das nicht öfter als 2mal die Woche darf. Für Deine Wünsche zum Neuen Jahr
danke ich Dir, mein sehnlichster Wunsch ist, Dich in meine Arme zu schliessen,
wieder Deine lieben Augen zu sehen & Deine liebe Stimme zu hören,
hoffentlich geht es bald in Erfüllung, wie schön wäre das. Sonst geht es mir
gut, ich sehe nach dem was man sagt wieder gut aus, bin öfters im Freien,
letzte Zeit war viel Schnee da wurde gerodelt & Schlittschuhgelaufen, aber
ich habe nicht mitgetan, denn ich habe sonstige Beschäftigung genug. Grüsse die
Kinder vielmals & sei Du viele Male geküsst, zärtlich, wie im Albertini
Haus von Deinem verliebten Tony
Anton Binder P.W.
5468 A. Tower Alexandra Palace, London N 31.1.17
Mein allerliebstes,
süsses Mamanderl.
Bis heute habe ich in dieser Woche nichts erhalten. Zum Glück
habe ich gerade wieder ziemlich zu tun. Trotzdem denke ich unaufhörlich mit
einem wunderschönen Gefühl an mein liebes Mamachen, ich schwärme wie ein
Gymnasiast im geheimen von Dir. Wenn ich einmal nach Hause komme, möchte ich,
dass Du mich zu Hause empfängst, denn es soll Niemand Fremdes diesen schönsten
Augenblick meines Lebens stören, oder Du fährst mir entgegen, für ein Coupé für
uns allein werde ich schon sorgen. Leider ist dies noch nicht so bald, aber
wenn ich recht liebe Briefe von Dir erhalte, werde ich die Geduld nicht
verlieren. Ich habe an Deinem letzten
Geburtstag ein Aquarell, Wüstenrind mit Kamel gemalt, das ich gestern verkauft
habe. Von dem Geld, 3 ½ £ werde ich Dir etwas Hübsches kaufen, aber erst in
München. Ansonsten habe ich eine Cairo Bazarstrasse gestern gut verkauft. Warum
beschreibst Du mir nicht, was in der Weihnachtsausstellung zu sehen war &
was Dir besonders gefiel? Wie sehr würde ich mich freuen z. B. einen Besuch in
der Pinakothek um die Bilder die Dir am meisten Eindruck machten von Dir
erzählt zu lesen. Deine Briefe sind alle sehr hübsch geschrieben, ich glaube
Dich sprechen zu hören, aber sie sind nicht lang genug und zu selten. Küsse
Steffi & Lilly vielmals, Dich aber drücke ich in Gedanken fest an’s Herz u.
Küsse Deinen lieben süssen Mund
Dein Tony
A.
Binder P/W. 4889 privil. Camp.
, Douglas 16/8/17 (Ilse of Man)
Mein allerwertestes,
liebes Mamaderl.
Endlich in 2 Tagen 3
Briefe, zwar ohne Datum durften aber nicht nach einander geschrieben sein.
Das mit der Photo ist
noch nicht da. Hast auch nichts erwähnt ob die Bilder im Glaspalast* angenommen
sind. Ich werde hier so gut es geht Köpfe zum Verkauf malen in Öl natürlich.
Die Zeichnung Stefferls ist kolossal ulkig, die hat Talent, die muss einen
Maler zum Mann kriegen. Gib ihr Zwei schöne Busserl von mir auf jedes Auge
eins. Dass die Lilly so brav ist, macht mir viel Freude, Du wist bald nicht
mehr 2? , machen bauchen, wenn die Mädls etwas noch grösser sein werden. Aus
dem Ort wo die Mädls waren, habe ich nichts erhalten bis jetzt, nur eine Karte
aus Aibling. Ich bin schon begierig wo ihr auf’s Land seid. Ich male gerade
einen ziemlich grossen betenden Graber mit Kamel in Aquarell. Hast Du von
Strecker aus Mainz kleine Noten erhalten? Der Hunger ist ein komischer Mensch,
er könnte Dir auch wenigstens die Aquarellskizze senden. Nun küsse die Mädels
nochmals auch Lilly extra von mir nur sei viel vielmals innigst umarmt von
Deinem Tony
Paket ist noch nicht
gekommen-
*Glaspalast: Münchener Kunstausstellung 1917
A. Binder P/W 4889 Privil. Camp . - Douglas 3.9.17
Mein einziges
geliebtes süsses Mamachen.
Wenn der Mann, der die Briefe austeilt in die Nähe
meines Tisches kommt, dann geh ich ihm schon an, ob er etwas von Dir hat. Ich
kriege auch Briefe aus London, von Frau Strecker, einer anderen Dame, Nichte
des Malers Knaus, die mir schon viel abkaufte, dann von einem Ehepaar, die ich
gemalt habe im Palace, die senden mir auch manchmal ein Paket mit Früchten,
Nüssen etc. Das ist aber alles nichts
gegen die 3 Briefe, die ich Samstag bekam, der eine mit den 2 Photos, alle über
Alexandra Palace. Brauchst Du keine Sorgen zu machen, es geht mir hier besser
als dort, da ich dafür bin, es sich immer zu verbessern, so is ja alles gut.
Die eine Photo mit dem Haustor ist reizend, ich werde ganz zugestaunt, dass ich so eine hübsche Familie habe. Du gefällst mir
besonders gut, siehst genau so aus, wie ich mir Dich im Geiste immer vorstelle.
Der Mantel und Hut stehen Dir sehr gut. Die Kinder haben sich im Gesicht fast
gar nicht verändert, ich bin schon gespannt auf das nächste Bild? Hab Dir eine
Postkarte von meinem kleinen Studio und eine der hiesigen Zeichenklasse
gesandt, an der Wand sind Bilder, aber keines von mir. Der Herr am Tisch ist
der Bildhauer Prof. Bredoro aus Stuttgart, er geht gibt dort Unterricht. Ich
gehe manchmal nachsehen, wenn die Schüler malen. Nächstens mache ich eine
Ausstellung dort. Nun sei unendlich oft & besinnlichst geküsst von Busserl
an die Kinder & Gruss an Marie.
Deinem Tony
A.
Binder P.»
4889 Douglas, 25. Okt. 2017
Mein allerliebstes
Mamanderl.
Mein Geburtstag hat damit angefangen, dass ich durchs Gramophon Pagliacci Prolog aufgeweckt wurde. Dann fiel mein Blick auf den Uhrständer, darauf bekam ich einen Brief von Dir an’s Bett, den meine Kameraden dafür aufgehoben hatten. Dann malte ich an einem Wüstenaquarell, am Nachmittag machte ich an der Dekoration für alt Heidelburg etwas fertig & am abend fand die Aufführung statt. Ich habe auch ein Olbier (Olbia)-Hafen von Neurgerta erhalten von Heinemmann. Danke vielmas für das Paket sich hätte gerne noch eine Photo von Dir & Kindern gefunden. Nun muss ich schliessen, die Post geht fort ich schreibe nächstens mehr darüber. Die Macronen schmecken fein, jetzt wie ein süsses Küsserl von Dir, gieb sie hiermit zurück Dein Tony
A.
Binder, PW. 5889 Alien’s Camp L
Douglas I.o.M. 11 Nov. 17
Mein innigstgeliebtes Mamaderl. Habe gestern Deinen Brief mit Gruppenbild erhalten, finde dass Ihr alle gut ausseht nur etwas ernst. Stelle es nebens Bett und als ich früh aufwachte leuchtete mir in der Dämmerung Dein reines Kleid entgegen. Deine Figur wird immer mehr, wie sie einst war, Du siehst aus, als ob Du die ältere Schwester der Kinder seist. Merkwürdig habe ich mich beim Ansehen an den schönsten Samstag Nachmittag erinnert, als ich Dich im Albertini Haus besuchte, wie Du Kopfweh hattest, und dabei den ersten Kuss erhieltst, auf den ich 7 Jahre gewartet hatte. Von solchen Erinnerungen lebe ich jetzt, wenn es noch lange dauert, kommt es soweit, dass wir uns wieder frisch verloben müssen, diesmal verstehen wir es aber sicher besser. Der Karl ist wirklich gross & sieht genau so aus, wie ich in dem Alter. Der René ist ein Stöpsel, die Lilly wird ihn ja bald überholen. Sie ist eine echte Österreicherin, glaube aber, dass sie hübsch werden wird, Steffi ist sehr niedlich. Schade, dass sie & Lilly so ernste Gesichter machen. Das Bier freut mich sehr, Ich kann Dir raten, lass Dich öfters massieren, ich tue es jeden 2ten Tag, infolgedessen fühle ich die Kälte nicht mehr so, es muss aber eine kräftige Masseuse sein, die das Blut im ganzen Körper zur Bewegung bringt. Es wird Dir sehr gut tun. Nun tausend innigste Küsse D. T.
A.
Binder, PW. 5889 Alien’s Camp L
Douglas I.o.M. 24/12/17
Mein einziges süsses
Mamadile!
Unsere Weihnachtsferien ist soeben zu Ende, es ist ½ 11 Uhr, nur ich
bin zu Bett gegangen, wo ich schreibe. Oben im Speisesaal wird noch gesungen,
viele sind nicht mehr recht Beisinnen. Es war ein grosser Baum in der Mitte des
Saales, am Ende an einer Glassur hängt eine grosse Landschaft Schnee &
Tannen mit Abendlicht, schon von einer elektrischen Lampe beleuchtet, die ich
gemalt habe, sehr gross, von nahe eine grosse Patzerei. Vom Theater Comité habe
ich eine schöne, hier gemachte, lederne Schreibmappe erhalten & eine Otresse? mit Gedicht, für meine
Mitarbeit bei den Dekorationsmalereien. Gestern Abend ist auch Post gekommen,
eine Menge Pakete auch, aber gar nichts für mich, ich habe nun seit dem Brief
vom 5. November nichts mehr bekommen, was mir jetzt besonders leidtut. Es ist
merkwürdig. Einer der jungen Leute an meinem Tisch hat heute einen Brief vom
12. Dezember bekommen, direkt aus Hamburg, Ich weiss schon gar nicht was ich
mir denken soll. Nun gute Nacht dich küssend im Geiste auch den Mädls &
Buben, ihr seid gewiss alle beieinander & denkt an Euren Papa
A.
Binder, PW. 5889 Alien’s Camp L
14.III.18 Douglas
Mein allerliebstes
süsses Mamaderle.
Heute ist der Geburtstag Deiner Mama, in drei vier Tagen ist
Lilly’s Geburtstag, hoffe, dass sie meine Gratulation und Brief erhalten hat.
Von Karl kam ein Brief, zum Glück kurz Deiner vorher, sonst wäre ich besorgt
gewesen es hätte Dir ernstlich etwas gefehlt, vielleicht gar Scharlach, was bei
Erwachsenen sehr gefährlich ist. Auch Dein Brief vom 19. Februar kam
gleichzeitig, ebenso die 2 Pakete mit Kunst Zeitschrift wofür ich Dir vielmals
danke.
Besonders, dass Du meine Nummern gewählt hast, zeigt mir wieder, wie sehr Du
Verständnis bekommen hast, für das, was mich interessiert. Ich glaube, wir
werden uns famos verstehen, ich selber bin ja auch anders geworden, besonders
in Geduld habe ich mich geübt. Um mich mehre um die Kinder zu kümmern, muss ich
erst wieder bei ihnen sein, so aus der Ferne nützt es ja nicht viel. Dass Du in
Liebe und Treue an mich denkst. Dafür danke ich Dir vielmals, aber überschwänglich
hab ich’s doch noch lieber. Na das wirst Du auch noch können, sobald wir
beieinander sind und uns ausgesprochen haben. Nun Dir & den Mädls viele
süsse Küsse von Eurem Papa
Seit einiger Zeit hab
ich wieder Bestellungen, darunter Öl Portraits, Aquarelle und Zeichnungen. Ich
freue mich schon auf das Geburtstags Paket in dem ich auf die Salon Photographie
zu hoffen glaube. Da Du es nicht gerne hast, wenn man Dir vom Herzeleid und
Verzeihung scheibt, so werde ich meine Briefe nicht mehr so schreiben, sondern
mündlich nachholden, was ich versäumt habe seit wir wieder beisammen sind. Ich
habe oft .... sehnt nach Euch, Dir besonders, zum Glück ... tagsüber wenn ich
zu tun habe, aber denken ... ich fortwährend an Dich. Du solltest wieder einmal
in’s Deutsche Museum gehen, da sind jetzt sicher interessante Sachen
ausgestellt. Nun küsse die zwei lieben Mädls herzlichst, grüsse die Buben und
sende Dir von den süssen Küssen Dein Dich über alles liebender Tony
... Pakete sehe ich, dass Du von mir Nachricht hast. Herr Strecker sagte als er all die Photos sah & die unfertigen Bilder,: ich gratuliere Ihnen zu der praktischen Frau. Er ist mein einziger & bester Kamerad hier, wir arbeiten zusammen im Atelier, er tut mir auch schon eine Menge Arbeit geben, seine Bekanntschaft wird mir später sehr von Nutzen sein, denn er kennt sehr viel Leute & ist von erstklassiger Familie. Ganz besonders jubelte ich im Innersten, als ich Deine Skizzen aus Capri fand, Du warst doch ein süsses, liebes Weibile, das konnte ich damals gar nicht so beurteilen. Ich fürchte nur dass die Farbe bald weg sein wird - . Gestern habe ich 3 Bilder verkauft nur eines bestellt bekommen. Ich brenne vor Ungeduld nach Deinen Briefen, jetzt müssen si aber bald da sein. Inzwischen sende ich den Mädls & Buben 1000 Busserl & Dich Küsse ich lang & süss und sende Dir mein ganzes Herz & Seele.
Dein Dich anbetender Tony
A. Binder, PW. 5889 Alien’s Camp L
14.III.18 Douglas Io.M. 14.1.18
Mein angebetetes,
allerliebstes Mamile! Sehr schnell kam am
Freitag den 11.1. ein Brief vom 17 Dez. Samstag während des Kino einer vom
30 Nov. Die beiden sind sehr verschieden. Ich kann verstehen, dass Dir schon
recht schwer fallen muss für alles allein sorgen zu müssen und gäbe weiss was darum,
wenn ich Dir dabei helfen könnte. Es tut mir leid, dass Du schreibst, dass Dir
ausser mir noch vieles fehlt und nicht sagst ob es vielleicht etwas mit der
Gesundheit zu tun hat. Zu der Zeit, als Du diesen Brief geschrieben hast, war
ich auch gerade recht unglücklich, da ich gar keine Nachrichten von Dir
erhielt. Ich denke daher, dass das, da wir ja immer dieselben Gedanken &
Gefühle haben, daher kommt. Ich habe Dir damals auch einmal etwas unzufrieden
geschrieben, nur hoffe Du hast es Dir nicht zu sehr zu Herzen genommen. Der Andere Brief ist voll Freude &
Zuversicht was mich wieder tröstete. Habe bitte noch Geduld, ich werde Dir das
Leben recht schön machen, wenn ich wieder bei Euch bin. Wegen der Marie mach
Dir keine Sorgen, die wird immer mehr darauf geben, wenn man für Grosstun schwärmt
was nur ja Gottseidank nicht imponiert. Lass Dich nicht irre führen, wir werden
uns das Leben so einrichten, wie es für uns passt. Viele Küsse den Mädls &
Dir unzählige von Deinem Dich innigst liebenden Tony


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